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MDR-Bericht vom 10.07.2020: Haseltalland will wieder mehr Touristen anlocken

NHZ-Artikel vom 10.07.2020: Steinbach-Hallenberg beschließt Fördervoranfrage für Knüllfeld-Konzept

Auszug der Rede von Bürgermeister Markus Böttcher vom 09.07.2020

Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte, liebe Bürgerinnen und Bürger,

Bei der Erstellung der Studie ist uns allen noch einmal deutlich bewusst geworden, wie fest das „Knüllfeld“ in der DNA der Bewohner des Haseltals verankert ist. Allen am Ideen und bisherigen Planungsprozess Beteiligten ist bewusst, dass ein großflächiges Verbauen mit einhergehender Zerstörung der Natur vermieden werden soll. Die naturnahe Einzigartigkeit und der hohe Freizeitwert sollen im Mittelpunkt stehen. Es fiel in diesem Zusammenhang der charmante Begriff der „kleinen Seiser Alm des Thüringer Waldes“.

Im Ergebnis liegt jetzt eine Studie vor, die den sanften (= nachhaltigen) Tourismus als Grundlage hat. (Drei grundlegende Prinzipien des nachhaltigen Tourismus: Auswirkungen auf die Natur möglichst gering halten, die Natur möglichst intensiv und ursprünglich erleben und sich den kulturellen Gegebenheiten des bereisten Landes/Gebietes bestmöglich anpassen).

Es ist kein Mega-Projekt entstanden, sondern es sind mehrere kleine und mittlere Bausteine, die, angereichert mit weiteren modularen Begleitprojekten, in der Summe eine große Strahlwirkung und damit Anziehungskraft erzielen können. Dabei sind durch die breite und transparente Beteiligung jetzt schon viele Wünsche aus der Bevölkerung mit berücksichtigt worden und weitere können im Laufe der weiteren Entwicklung noch umgesetzt werden.

Der naturnahe Fokus ist weiterhin deutlich erkennbar: Dem Naturschutz von Biotopen-, Landschaftsschutz- und Wassereinzugsgebieten wurde, soweit zum jetzigen Stand möglich, in der frühen Projektplanungsphase bereits Rechnung getragen. (So ist z. B. ein ursprünglich geplanter Teil des Areals in Richtung Dicker Berg aus der Betrachtung herausgefallen. Auch ein größerer Caravan-Stellplatz wurde aus der Planung gestrichen und als Begleitobjekt nach Bermbach verlegt.) Das uns gewohnte Landschaftsbild würde also nicht kategorisch zerstört und nur an wenigen Stellen punktuell bebaut werden. Es geht auch vielmehr um eine gezielte Anreicherung und Aufwertung dessen, was bereits jetzt schon da ist. Unterkünfte in Form von Baumhäusern wurden in den Privatwald verlegt, wenige Wege entstehen neu, eine Bergblumenwiese soll das Erlebnis Natur im Thüringer Wald in ein neues Licht rücken. Und ein großer Abenteuerspielplatz entspricht den Wünschen der vielen jungen Familien im Haseltal.

Ich möchte es an dieser Stelle aber auch noch einmal deutlich betonen: die jetzt vorliegende Studie mit den darin genannten Projektbausteinen ist kein Dogma. Es ist vielmehr ein dynamischer Gestaltungsrahmen und damit unser Bewerbungsschreiben, um Einlass auf das Spielfeld der touristischen Förderprojekte zu bekommen. Lassen Sie mich das mit einem Fußball- oder Tennisspiel vergleichen. Bis jetzt waren wir nur Tribünengast und haben zugeschaut, wie sich andere den Ball (in diesem Fall den Gast) zugespielt haben. Mit der geförderten Studie und den vorliegenden Ergebnissen sind wir jetzt als Balljunge schon nahe an das Spielfeld herangerückt. Wir haben Wege aufgezeigt bekommen, wie wir nicht nur selbst auf das Spielfeld gelangen, sondern dort als gleichwertiger Spieler aktiv mitspielen können. Die Einreichung einer Fördervoranfrage verstehe ich daher als Einladung in Form einer Eintrittskarte, die uns das Land Thüringen aufgrund der guten Ergebnisse der Studie entgegenhält. Gleichzeitig reicht man uns die Hand, um uns sicher aufs Spielfeld zu geleiten. Jetzt gilt es, diese Einladung auch anzunehmen, die Hand zu ergreifen und den Zugang zum Spielfeld zu bekommen. Das muss zu der jetzigen Zeit das oberste Ziel sein. Wir haben bereits viel Arbeit und Energie in die Studie gesteckt. Sie ist es daher wert, dass sie auch auf Umsetzbarkeit und Förderwürdigkeit überprüft wird.

Es ist kein Muss, alle Bausteine 1 zu 1 so umzusetzen, wie sie derzeit dargestellt sind. Es liegt später in unserer Hand, ob Module kleiner oder größer gestaltet werden, oder ob sie im zeitlichen Ablauf verschoben werden oder sogar komplett entfallen müssen. Aber um dies überhaupt entscheiden zu können, müssen wir erst einmal auf das Spielfeld gelangen.

Es geht also bei der heutigen Entscheidung nicht um Groß oder Klein oder welcher Baustein uns persönlich vielleicht doch nicht gefällt. Es geht vor allem auch darum, wohin das touristische Engagement der Stadt Steinbach-Hallenberg in den nächsten 20 Jahren gehen soll. Wollen wir überhaupt die Chance ergreifen, uns touristisch neu zu erfinden oder soll lieber alles so bleiben, wie es ist?

Dazu braucht es die richtigen Strukturen, die richtigen Personen und v.a. Mut zur Veränderung.

 

Auszüge Buch „Bodenmais – zwischen Fremdenverkehr und Tourismusindustrie“:

  • Wer jetzt den Wandel positiv gestaltet wird nachhaltig davon profitieren
  • Es ist wichtig, Trends zu erkennen und schneller als der Wettbewerb auf diese zu reagieren
  • Das Lebensgefühl der Gäste aufgreifen und daran orientiert Produkte gestalten
  • Hören Sie hin, was dem Gast gefällt und vermeiden Sie es, besser wissen zu wollen, was er will, als er selbst
  • Frühzeitig Entwicklungen erkennen und darauf so reagieren, dass der Gast emotional angesprochen wird und Lust auf Urlaub in ihrer Region bekommt
  • Haben Sie keine Angst Fehler zu machen. Nichts zu machen, wäre der größte Fehler!
  • Das Ziel, deutliche Steigerungen in den Auslastungen in Deutschland zu erreichen, ist in den meisten Regionen absolut realistisch. Und wenn Sie jetzt kopfschüttelnd feststellen, dass die Rahmenbedingungen dafür bei Ihnen nicht stimmen, dann überlegen Sie, wo sie Veränderungen herbeiführen können. Nur bei sich selbst! Sie müssen agieren, statt zu resignieren. Sie müssen Risiken eingehen, statt Sicherheit zu wahren!
  • Hochpreisige Premiumprodukte erfreuen sich ebenso zunehmender Beliebtheit wie preiswertige Angebote.
  • Machen Sie aus Ihrem Ferienort eine Reisemarke. Finden Sie Ihre Besonderheiten, stellen Sie diese heraus und wuchern Sie mit Ihren Unterscheidungsmerkmalen. Hauen Sie auf die Pauke und schärfen Sie das Image Ihres Ortes!
  • Erschließen Sie klug und Schritt für Schritt neue Quellmärkte und Zielgruppen
  • Erfolg ist keine Charaktereigenschaft oder eine Tugend, oder ähnliches. Vielmehr beruht Erfolg auf dem Einsatz individueller Fähigkeiten und dem strikten Verfolgen eines Planes und der Nutzung der Marktgesetze.
  • Erfolg ist immer die Folge von Umständen, sie man selbst bestimmt hat. Erfolg ist planbar und berechenbar!
  • Entscheidungen müssen her. Eine Idee, eine Überlegung, die dann in die Tat umgesetzt wird, und wo jeder schritt zum nächsten führt. Und die Planbarkeit ist hier wichtig, da nur geplante Schritte in die richtige Richtung führen.
  • Denken und Agieren Sie erfolgsorientiert und nehmen Sie das Heft des Handelns zielbewusst in die Hand
  • Veränderungen müssen her, um im Wettbewerb um den Gast nicht gnadenlos zu unterliegen. Wenn die Not die Not doch so groß ist, warum ist dann die Bereitschaft, vereint neue Wege zu gehen oft so niedrig? Es gilt oft das Motto: „Alles soll besser werden, aber alles soll bitte so bleiben, wie es ist.“
  • In den Augen einiger Händler, Gastronomen, Hoteliers, Gewerbetreibender und Bürger sollte alles am besten so bleiben, wie es ist, ehe es durch Experimente noch schlechter wird.
  • Wer sich nicht bewegt, der kann niemanden auf die Füße treten! Wer resigniert, wird seiner Aufgabe nicht gerecht! Wer keine Veränderung will, wird seiner Aufgabe nicht gerecht! Oder noch radikaler formuliert: Wer sich nicht wandelt und Vorreiter ist, wird das Nachsehen haben und sollte lieber eine weniger anspruchsvolle Aufgabe übernehmen.
  • Gehen Sie eigene Wege, aber gehen Sie auf jeden Fall neue Wege! Es lohnt sich: Mut zu Veränderungen!

 

Aus meiner Sicht ist eines ganz klar: Sollten wir jetzt die Chance nicht ergreifen, wird die Entwicklung des Tourismus in der Stadt Steinbach-Hallenberg als weiteres Standbein auf Jahre hinaus gehemmt werden.

Ohne touristische Entwicklung gibt es keine Aufmerksamkeit und damit keine Erhöhung der Attraktivität des Haseltales. Und auch keine Einnahmen! Der durchschnittliche Tagesgast in Thüringen lässt 22,40 € pro Kopf und Tag vor Ort, der Mehrtagesgast im Schnitt sogar 31,80 €. An dieses Geld zu kommen, ist ein lohnendes Ziel – für den Einzelhändler, die Gastromomen und die Kommune, genauso wie für die Fachkräftegewinnung. Woher sollen die Facharbeiter und Arbeitskräfte kommen, die zukünftig wieder gebraucht werden? Ohne das Bekenntnis zur touristischen Offensive wird es keine Weiterentwicklung des Knüllfeld-Areals geben. Und auch der dauerhafte wirtschaftliche Betrieb der Gaststätte(n) nur mit einheimischen Gästen und ohne Touristen ist zu bezweifeln.

Eine aktive Entwicklung des Knüllfeldes mit Unterkünften, Freizeitattraktionen und Abenteuerspielplatz steigert u.a. die Lebensqualität in der Region. Sie sorgt für mehr Umsätze mit Steuereinnahmen, ortsgebundenen Arbeitsplätze und eine damit einhergehende Verbesserung der lokalen Infrastruktur. Davon profitieren also nicht nur die Gäste sondern auch die einheimische Bevölkerung und die Unternehmen vor Ort.

Das unsere Aktivitäten auch im Landkreis nicht unbemerkt bleiben, möchte ich Ihnen gerne zum Abschluss meiner Rede noch ein Schreiben unsere Landrätin Peggy Greiser vorlesen:

Schreiben der Landrätin

 

Sehr geehrte Damen und Herrn Stadträte,

lassen Sie uns gemeinsam das Knüllfeld zu einer „Thüringer Seiser Alm“ entwickeln und haben Sie den Mut, jetzt die notwendigen Schritte dazu zu gehen. Um mitspielen zu dürfen, müssen wir erst auf das Spielfeld kommen. Heute sollte dazu die Entscheidung fallen, von der noch zukünftige Generationen profitieren können.

Ich bitte daher um Ihre Zustimmung zum vorliegenden Beschlussvorschlag!

Mitteilung vom 20.11.2019

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